GSTC-Training "Nachhaltiger Tourismus"
Auf dem Weg zur nachhaltigen Entwicklung
Das GVA Tourismusnetzwerk unterstützt mit Trainings die heimischen Betriebe bei der Umsetzung
Was bedeutet nachhaltiger Tourismus? Welche Kriterien sind zu erfüllen? Wie können Vorarlberger Betriebe und Destinationen ihre Ziele erreichen? Dazu bietet das GVA Tourismusnetzwerk spezielle Trainings an, um einen zentralen Aspekt der Tourismusstrategie 2030 im Auge zu behalten: die nachhaltige Entwicklung des Vorarlberger Tourismus.
Beim GSTC-Training am 22. und 23. August im Frauenmuseum Hittisau tauchten 19 Teilnehmer:innen aus den unterschiedlichsten Unternehmen und Destinationen tief in das Thema ein: Neben einem fundierten Nachhaltigkeits-Überblick informierten Holger Sigmund und Michaela Hölz über die Kriterien des GSTC, des Global Sustainable Tourism Council (gstcouncil.org). Vorarlberg Tourismus ist seit April 2022 Mitglied dieser unabhängigen Non-Profit-Organisation. Zudem stellten die beiden Expert:innen Good-Practice-Beispiele aus der DACH-Region vor.
Drei Teilnehmerinnen berichten, was ihnen das Training gebracht hat:
Nicole Heim, Gewerbliche Geschäftsführerin Bergschule Kleinwalsertal
Was haben Sie mitgenommen?
Bei Veranstaltungen dieser Art trifft man stets auf Menschen mit einem ähnlichen Wertesystem und Mindset. Diese Netzwerke sind äußerst wertvoll, um neue Denkansätze für Nachhaltigkeit im Tourismus zu entwickeln, und bieten gleichzeitig die Motivation, das Thema weiter voranzutreiben.
Was passiert schon?
Aktuell arbeiten wir daran, die CO2-Bilanz unserer Produkte transparent zu bewerten. Gleichzeitig entstehen neue, CO2-neutrale Reisen, wie beispielsweise eine Südschweden-Durchquerung mit Zuganreise, Alpendurchquerungen ohne Shuttle im Rätikon sowie Tagestouren mit Informationsschwerpunkten zu Biodiversität, Flora und Fauna.
Was benötigen Sie, um den nächsten Schritt zu machen?
Ein übergeordnetes Nachhaltigkeitssiegel für die gesamte Bergschule anzustreben, wäre nicht ehrlich und würde das Ziel verfehlen. Angebote wie Skitourenreisen nach Island, Heliskiing in Italien oder Mountainbike-Touren am Kilimandscharo sind mit GSTC vermutlich nicht unter einen Hut zu bekommen.
Der Fokus liegt vielmehr darauf, neue, nachhaltige Produkte zu entwickeln und unsere Teilnehmer:innen für das Thema zu sensibilisieren. Gleichzeitig suchen wir nach einem zuverlässigen Partner, um einen wirkungsvollen CO2-Ausgleich zu schaffen.
Ester Baldauf-Brunner, Landesverband Urlaub am Bauernhof
Was haben Sie mitgenommen?
Der Austausch mit den anderen Teilnehmer:innen und den Referent:innen war unglaublich bereichernd. Inspirierende Beispiele und Erkenntnisse zu bewährten Nachhaltigkeitspraktiken haben mir neue Perspektiven und Ideen vermittelt, wie Nachhaltigkeit in der Praxis umgesetzt werden kann. Es ist einfach toll zu sehen, was alles möglich ist!
Vor der Einladung von Vorarlberg Tourismus bzw. GVA (Gastgeben auf Vorarlberger Art) kannte ich den GSTC (Global Sustainable Tourism Council) noch nicht. Die intensive Auseinandersetzung mit den GSTC-Kriterien hat mir geholfen, die Bedeutung und Anwendung nachhaltiger Prinzipien im Tourismus besser zu verstehen. Die Gruppenarbeiten mit den GSTC-D- und GSTC-I-Kriterienkatalogen haben mir einen sehr guten Überblick über die vielfältigen Kriterien verschafft. Diese Werkzeuge sind sehr hilfreich und geben mir in meinem Wirkungsfeld eine klare Richtung und konkrete Ansatzpunkte, um Nachhaltigkeit im Tourismus voranzutreiben. Bei „Urlaub am Bauernhof Vorarlberg“ haben wir uns bisher intensiv mit den 17 SDGs auseinandergesetzt und diese bereits integriert.
Aus meiner Sicht ist die Zukunft des nachhaltigen Tourismus vielversprechend, und ich freue mich sehr darauf, Teil dieser Entwicklung zu sein!
Was lässt sich unmittelbar umsetzen?
Die bäuerlichen Gastgeber:innen in Vorarlberg leben ihre Traditionen bereits mit Herzblut und Überzeugung – sie sind ein wesentlicher Teil ihres beruflichen Alltags. Bewusst werden Erntedankfeste gefeiert, Rezepte von Generation zu Generation weitergegeben, Handwerkskunst und traditionelle Techniken gepflegt, der Alpabtrieb zelebriert, die Drei-Stufen-Landwirtschaft gelebt oder in der Weihnachtszeit der Stall geräuchert, um nur einige Beispiele zu nennen. Jetzt geht es darum, dieses Erbe noch stärker hervorzuheben und sichtbar zu machen! Warum nicht die bäuerlichen Gastgeber ermutigen, ihre Geschichten und Traditionen selbst zu erzählen? All das sind Erlebnisse, die sowohl für Einheimische als auch für Gäste unvergesslich bleiben.
Die bäuerlichen Gastgeber:innen wissen genau, wie Vorarlberg „schmeckt“. Mit Liebe bereiten sie aus echten „Lebens-Mitteln“ regionale Köstlichkeiten zu und präsentieren diese einladend.
Gemeinsam können wir erreichen, dass unsere lebendigen Traditionen in Vorarlberg nicht nur bestehen, sondern aufblühen und gedeihen – ein Gewinn für die Gemeinschaft, die Gäste und die Kultur gleichermaßen.
Was passiert schon?
Bei „Urlaub am Bauernhof“ in Vorarlberg passiert schon sehr viel 😊
1. Ekart.at – Energie und Klimarat für Unternehmen (kostenloses Energieerfassungstool vom Energieinstitut Vorarlberg)
Die bäuerlichen Gastgeber:innen von „Urlaub am Bauernhof Vorarlberg“ setzen mit dem Projekt „Grüne Spuren: Energieeffizienz“ bereits wichtige Impulse für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Mit dem innovativen Energieerfassungstool EKART.at können die 126 Mitgliedsbetriebe ihren individuellen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß messen und Möglichkeiten sowie Stellschrauben zur Reduktion identifizieren. Sie führen praktisch eine „Energiebuchhaltung“, und wir als Verein erhalten vergleichbare Branchenkennzahlen. Dadurch wird nicht nur die Umwelt geschont, sondern auch die wirtschaftliche Effizienz gesteigert – ein Gewinn für alle!
Die Gastgeber:innen öffnen ihre Stalltüren und vermitteln ihren Gästen aus erster Hand, wie nachhaltige Landwirtschaft und Kreislaufwirtschaft funktionieren. Ob beim Brotbacken, Melken oder gemeinsamen Ernten: Hier wird Wissen lebendig, und die Gäste erleben hautnah, was es bedeutet, Traditionen zu leben und die Natur zu respektieren.
2. Diplomarbeit
Die Diplomarbeit von Johanna Greber und Leonie Pfeifer (BSBZ Landwirtschaftsschule Vorarlberg) zum Thema „Implementierung der UN Sustainable Development Goals (SDGs) in der Kommunikationsstrategie am Beispiel von Urlaub am Bauernhof-Betrieben in Vorarlberg“ ergab bei einer Mitgliederumfrage im Sommer 2023 folgende Ergebnisse:
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- 85 % der Gastgeber:innen heizen ihre Gebäude mit erneuerbarer Energie.
- Mehr als 60 % haben eine Photovoltaikanlage in Betrieb oder fest geplant.
- Bereits 4 von 10 Betrieben tragen aktiv dazu bei, die SDGs in der Bevölkerung zu verankern.
- 95 % der Gastgeber:innen sind positiv eingestellt und möchten sich intensiver mit den Nachhaltigkeitszielen auseinandersetzen.
- Ganze 98 % sind bereit, Betriebsabläufe zu ändern, um die SDGs besser zu erfüllen.
- Drei Viertel der Betriebe bieten eine gute Möglichkeit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bushaltestelle in der Nähe des Hofes) zur Urlaubsanreise anzureisen.Für die Gästemappen gibt es eine Vorlage zu den SDGs mit dem Titel „So wirkt unser Urlaub am Bauernhof-Betrieb mit…“, die beschreibt, wie der Betrieb einzelne Ziele am Hof umsetzt.
3. SDG-Getränkeuntersetzer „17 Mal zum Wohl(e) – fürs Ländle“
Kooperation mit der Landjugend/Jungbauernschaft
Alle Gastgeber:innen haben einen Satz der 17 Getränkeuntersetzer für die Ferienwohnungen erhalten, um im Idealfall mit den Gästen über die SDG’s zu sprechen und zu diskutieren.
Was benötigen Sie, um den nächsten Schritt zu machen?
In meiner Rolle als Geschäftsführerin von „Urlaub am Bauernhof“ möchte ich für unsere kleinstrukturierten Betriebe eine Zertifizierungsmöglichkeit finden und anbieten, um ihre Nachhaltigkeit auch in Form eines Labels sichtbar zu machen.
Die zwei Tage beim GSTC-Training in Hittisau haben mir gezeigt, dass es dafür verschiedene Ansätze gibt. Das Österreichische Umweltzeichen für Tourismus scheint mir für unsere Kleinstbetriebe (bis maximal 10 Schlafstellen) jedoch sehr aufwändig und kostenintensiv zu sein. Derzeit bin ich mit Holger Sigmund im Austausch, um alternative Möglichkeiten zum Österreichischen Umweltzeichen für Tourismus zu finden, zum Beispiel Lösungen von Green Destinations.
Stephanie Birk, Hotel Stäfeli in Zug bei Lech am Arlberg
Was haben Sie mitgenommen?
Grundsätzlich waren es zwei sehr intensive Tage mit guten Präsentationen, spannenden Gruppenarbeiten und vielen neuen Erkenntnissen. Wichtig war für mich die Verbindung zum Österreichischen Umweltzeichen, an dem wir gerade dran sind. Dadurch können wir jetzt den Arbeits- und Zeitaufwand besser abschätzen.
Auch waren die Vortragenden Frau Dr. Michaela Hölzl und Holger Sigmund wirklich sehr zuvorkommend und haben sehr viele Fragen zu diesem spannenden Thema beantwortet.
Was passiert schon?
Wir haben im Hotel Stäfeli über die letzten Jahre hinweg schon viele kleine Schritte für eine bessere Zukunft umgesetzt, die wir auch auf unserer Website kommunizieren.
Dazu gehören unter anderem die Stäfeli Handseife aus der Region zum Mitnehmen, unser Green-Cleaning-Konzept im Hotel (wir reinigen das Hotel mit Wasserdampf statt mit chemischen Reinigungsmitteln) sowie unser Konzept, eine gute Zeit mit den Liebsten zu verbringen. Nachhaltiger Urlaub für die ganze Familie sozusagen.
Als Teil der Changemaker Hotels und der Vereinigung Slow Travel Hotels halten wir Werte wie Zufriedenheit, gemeinsame Qualitätszeit und umweltbewusstes Handeln hoch und geben diese auch an unsere Gäste weiter.
Was benötigen Sie, um den nächsten Schritt zu machen?
Die Zertifizierung ist unser langfristiges Ziel. Als Familienbetrieb hat uns das Tagesgeschäft allerdings oft fest im Griff. Was wir konkret brauchen, ist mehr Zeit und jemanden, der uns ab und zu unterstützt. Mit den kleinen Schritten, in Richtung einer besseren Zukunft, möchten wir aber selbstverständlich laufend weiter machen, und die Ideen dazu gehen uns hier sicherlich nicht so schnell aus😊
GSTC-Training
Was bringt dir das Training?
- Du erhältst ein fundiertes Wissen über die GSTC-Kriterien.
- Du wirst von Good Practice Beispielen aus der DACH Region inspiriert.
- Du triffst wissensbasierte Entscheidungen über Nachhaltigkeitspraktiken im Betrieb bzw. in der Destination.
- Du kannst vermitteln, wieso Nachhaltigkeit wichtig ist.
Dieses offizielle Training des GSTC (Global Sustainable Tourism Council) zu den Nachhaltigkeitskriterien bietet allen Mitarbeitern in den Destinationen und in den Betrieben einen fundierten Überblick zum Thema Nachhaltigkeit und zu den international anerkannten Nachhaltigkeitskriterien.
Die von diesem Rat definierten Kriterien haben zum Ziel, ein gemeinsames Verständnis und einen globalen Standard für Nachhaltigen Tourismus zu schaffen.
Nähere Infos findest du unter gstcouncil.org